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Michael Wachtler

Highlights | Megachirella wachtleri

Megachirella wachtleri

Die Fundgeschichte
Megachirella wachtleri, der Urahn von Schlangen und Eidechsen

„Megachirella wachtleri.“ Hinter diesem Namen verbirgt sich der Tod und die Wiederauferstehung eines kleinen Tieres. Vor mehr als 240 Millionen muss ein kleines, bizarres Tier auf einer jener tropischen Inseln, die hier zu jener Zeit aus dem Meer herausragten, von Baum zu Baum gesprungen sein.

Es war nicht Schlange, nicht Eidechse und nicht Leguan, aber trug von allen etwas in sich. Es lebte in einer Epoche gewaltiger Veränderungen, nur wenig nach der größten Katastrophe, welche sich je auf dieser Welt zutrug, und ungefähr 95 % aller Lebewesen ausrottete. Die meisten der Tiere, die heute diese Erde bevölkern, gab es noch nicht oder sie standen erst am Anfang ihrer Entwicklung. So die Dinosaurier, die Säugetiere, aber auch die Schlangen und Eidechsen. Ein leer gefegter Planet bot reichlich Platz für die wenigen Tiere, die diese Perm-Trias-Katastrophe überlebt hatten. Doch erstaunlicherweise trugen diese Stresssituationen, die erst allmähliche Anpassung der Sauerstoffwerte, die Beruhigung des Klimas und vieler anderer Faktoren dazu dabei, dass überall in der Tier- wie auch in der Pflanzenwelt zu dieser Zeit seltsame und explosionsartige Veränderungen und Mutationen an der Tagesordnung standen.
Im Sommer 1999 wanderte ich wieder einmal in Richtung Kühwiesenkopf. Oft und oft fragte ich mich, was mich überhaupt in diese Gegend hinzog. Gut, hier oben begann die Wildnis, in der ich höchst selten Menschen sah. Es war eigenartig: Hier konnte ich Freundschaft mit den Tieren, aber auch mit den Steinen und Pflanzen schließen. Im Laufe der Jahre hatte ich gelernt immer mehr die Sprache der Felsen zu verstehen. Vielleicht waren mir gerade deswegen einige bedeutsame Entdeckungen gelungen: Neue Pflanzen, Fische und Muscheln. Wieder schlug ich mit dem Eisenschlägel auf den harten Felsen, zog Platten hervor, spaltete sie und schaute mit Bedacht auf alles, das irgendwie merkwürdig sein konnte.
Dann geschah Eigenartiges. Eine Platte spaltete sich. Ganz nah führte ich mein Auge auf eine Seltsamkeit. Unscheinbar hoben sich einige wenige Rippen ab. Einen Augenblick zweifelte ich. Drinnen steckte wohl wieder einer jener Fische, die ich fort zu entdeckt hatte. Ich sinnierte lange hin und her. Sollte ich diese Felsplatte - dann wohl für immer verloren - in den Abraum werfen, oder trotzdem in jene Liste einreihen, welche ich vielleicht einmal herunterschleppen wollte. Ich warf die Steinplatte mit Missmut zu jenen, die ich einmal heim zu tragen gedachte, wenn nicht irgendeine Steinlawine sie schon vorher allein viele hunderte Meter weit hinunter beförderte.
„Ist es denn Menschenmöglich, dass die Natur ihre Geheimnisse unter solch umständlichen Schwierigkeiten preisgibt“, dachte ich mir insgeheim. Warum konnte sich nicht eine Steinplatte öffnen, und das wundervolle Abbild eines Sauriers zutage treten, das uns weiterhelfen konnte, Lösungen darauf zu finden, wie sich das Leben entwickelt hatte? Ich ließ die Steinplatte oben liegen und vergaß sie.
Es verging eine Woche, eine weitere, eine dritte. Mich zog es derweil zu anderen Ufern. Dann endlich beschloss ich wieder zum Kühwiesenkopf hinauf zu gehen. Wohl das letzte Mal für heuer. Es war bitterkalt, teilweise war der Boden gefroren und ich musste höllisch aufpassen, nicht in die Tiefe zu stürzen. Wieder arbeitete ich mich in den Felsen hinein. Bis es Mittag wurde. Dann setzte ich mich hin und zog mein dürftiges Jausebrot heraus. Plötzlich fiel mein Auge auf eine Steinplatte. Ich staunte, dass es sie überhaupt noch gab. Ich nahm sie in die Hand. Es waren jene unansehnlichen versteinerten Rippen. Also gut, sollten sie heute an die Reihe kommen mit nach Hause getragen zu werden. Doch wie ich sie mit sprödem Zeitungspapier umwickeln wollte, entglitt sie mir und kollerte langsam in die Tiefe. Ich versuchte noch nach ihr zu greifen, doch gelang es mir nicht. Dies alles bekümmerte mich kaum. Auch zu Hause wäre sie sowieso irgendwo im Schutt gelandet. Wenn das Schicksal es nicht wollte, dann durfte das wohl seine Richtigkeit gehabt haben.
Dann begann ich weiter zu arbeiten, doch früh bricht in diesen Herbsttagen die Nacht herein. Ich rüstete zum Aufbruch. Bald schon würde sich eine dicke Schneeschicht darüber legen und die Lawinen wieder alles zuglätten, wie sie es jedes Jahr taten. Im Winter gehörte diese Wildnis allein sich selbst. Doch wie ich langsam abstieg, darauf bedacht, nicht auszurutschen, sah ich sie auf einem Felskopf, so als ringe sie um Gleichgewicht, die eigenartige Felsplatte. Ich nahm sie mit, nun endgültig.
In letzter Zeit war ich viel mit Wissenschaftlern und Forschern in Kontakt gewesen. Einer studierte die Muscheln, ein anderer die Schichten, ein dritter die Fische. Und so weiter. Es ist immer ein Gemeinschaftswerk. Auch Frauen waren darunter. Sie haben eine ganz andere Sichtweise und bereichern damit die Wissenschaft. Professor Andrea Tintori aus Mailand ist Spezialist für Fische aus der Triaszeit. Ich hatte ihn schon vorbereitet, dass ich wieder eine neue Fischarten gefunden hatte, und darunter auch eine Felsplatte, die er auch gleich wieder entsorgen konnte. Er nahm das Paket in Empfang. Dann verabschiedete ich mich wieder. Es dauerte nicht lange, da kam ein überraschender Telefonanruf. Diesmal von Professor Silvio Renesto, einem der italienweit führenden Saurierforscher. Man hatte die Knochen und freien Rippen dieser unansehnlichen Platte frei präpariert und zum Erstaunen aller seien die Abdrücke eines eigenartigen Landtieres zum Vorschein gekommen. Versteinerte Reste von Landtieren lassen sich in Europa an der Hand abzählen. Sehr selten treffen jene Bedingungen zusammen, die es überhaupt ermöglichen, dass sich die Reste von Tieren an Land über die Jahrmillionen erhalten.
„Ein Saurier ist es, ein weltweit wichtiger sogar, ein Bindeglied und Urahn von Schlangen, Eidechsen und Leguanen“ teilte mir Professor Renesto mit. „Der Kopf ist gut erhalten, auch die Vorderfüße, aber leider fehlt der ganze Rückteil.“ War das die Möglichkeit! Mochte ich zwar weiter gekommen sein, als viele andere, ich hatte trotzdem versagt. Hätte ich nur ein wenig mehr diese Felsen zu deuten gewusst, dann hätte ich nicht das Rückteil dieses Tieres achtlos hinuntergeworfen! So nah war ich am Ziel gewesen, und doch hatte ich mit meinem Geist diese Felsen nicht durchdrungen.“
Ich las die Erörterungen der Wissenschaftler weiter und versuchte sie sogleich in einfache Worte zu fassen: „Bei diesem Saurier vom Kühwiesenkopf handelt es sich auch weltweit um eine extrem wichtige Entdeckung. Dieses Reptil besitzt sowohl Eigenschaften der letzten Brückenechsen in Neuseeland, wie auch der Schlangen, Eidechsen und Leguane. Er ist der Ahnherr der Schlangen und Eidechsen.” Ein lächerliches kleines Tier zog vor Jahrmillionen aus, um die Welt zu erobern. Diesem war es nicht vergönnt seinen Lebenszyklus zu vollenden. Eine riesige Welle, ein Sturm, tötete es. Wohl aber entwickelten sich seine Nachfahren weiter. Sie wurden zu Schlangen, zu Eidechsen, zu Leguanen. Und beherrschen die Erde auch heute noch.



 

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